Das Matthias-Klotz-Denkmal in Mittenwald




Seit 1890 erfüllt das Mittenwalder Matthias-Klotz-Denkmal mehrere Funktionen – als Ehrenmal,
Touristen-Attraktion und Sammelpunkt, nicht nur für Geigenbauer aus aller Welt
– hier bei der Geigenmacher-Tagung 31. Juli 1912
Anonyme Fotografie, Mittenwald 1912



Erste Planungen

Die Mittenwalder Geigenverleger-Firmen Neuner & Hornsteiner sowie Baader & Co. verfolgten beinahe zwei Jahrzehnte lang zielstrebig das Vorhaben, für Matthias Klotz ein Denkmal zu errichten, um seine Bedeutung als Begründer des Mittenwalder Geigenbaus angemessen und überregional wahrnehmbar zu würdigen.

Das Ehrenmal sollte zunächst in der nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 begonnenen Tradition eines Krieger- oder Heldendenkmals gestaltet werden. Dazu wurden verschiedene Steinmetzen der weiteren Umgebung mit Entwürfen beauftragt, so etwa Theobald Keyhl aus Weilheim (1872), Georg Bayrer aus München (ca. 1878) oder Anton Spindler aus Murnau (1879). Es fand jedoch keiner dieser Entwürfe Gefallen, wohl weil sie sämtlich einer Portraitdarstellung entbehrten und damit für den intendierten Personenkult ungeeignet erschienen.





Entwurf eines Matthias-Klotz-Denkmals
von Georg Bayrer, Steinmetzmeister in München, ca. 1878
Marktarchiv Mittenwald, A III 17/1



Kontroversen um weitere Entwürfe

Am 6. April 1878 sandte der Verleger und Vorstand des Mittenwalder Geigenmacher-Vereins Matthäus Neuner jun. (1832-1890) ein Rundschreiben an die Mitglieder des Vereins aus, mit dem er die Planung forcierte. Am 1. Dezember desselben Jahres fand eine Versammlung der Geigenmacher in der damals so genannten Geigenmacherschule statt, in der ein Auftrag an Georg Joseph von Hauberrißer (1841-1922) beschlossen wurde. Der überregional bekannte Münchner Architekt und Bildhauer gehörte mit seinen Rathaus- und Kirchenbauten in süddeutschen Städten zu den späten Vertretern des Historismus; zu seinen Arbeiten gehören u. a. das Neue Rathaus und die St.-Paulskirche in München.
Hauberrißers Entwurf, der verloren ist, sah einer Figur aus weißem Marmor vor; nach einer negativen Stellungnahme des erwähnten Murnauer Steinmetzen Anton Spindler (1880) wurde er 1881 jedoch schließlich zurückgewiesen.

Vermutlich hatte Joseph Baader (1812-1884) – Sohn des Mittenwalder Verlegers Johann Anton Paul Baader (1778-1836), angesehener Archivrat am bayerischen Reichsarchiv in München und Verfasser einer bis heute maßgeblichen Chronik des Marktes Mittenwald (1880) – den Kontakt zu Hauberrißer vermittelt. Nach dem Scheitern dieser Verbindung gab er nun selbst die wesentlichen Gestaltungsmerkmale des Denkmals vor. Diese sind aus der Stellungnahme eines nicht näher bekannten Münchner Gutachters Anton Genewein (1881) ersichtlich.
Genewein übte an mehreren Punkten des Baader'schen Konzepts deutlich Kritik: am hohen Beschaffungspreis, an der vorgesehenen (und als langweilig beurteilten) "malerischen alten Mittenwalder Tracht" und am Gestus der Figur, die dem Betrachter eine Geige entgegenhalten sollte, sowie an der mythischen Überhöhung der Person des Matthias Klotz. Seiner Einschätzung nach sollte das Denkmal "vor allem auf Wahrheit beruhen" – das Fehlen eines historischen Portraits von Matthias Klotz würde demnach jegliche naturalistische Darstellung verbieten.
Als Alternative schlug Genewein die Allegorie eines Genius vor, der sitzend eine fertige Geige in seinen Händen betrachten, und dessen gesenkte Schwingen das Bleiben des guten Geistes in Mittenwald andeuten sollten: "Das Mittenwalder Publikum hat jedenfalls daran ein größeres Interesse als an einer Geigenmacherstatue."
Von diesem Entwurf sandte Genewein am 11. Juli 1881 zwei Modell-Fotografien an Matthäus Neuner jun., die jedoch auch nicht erhalten sind. Die Planung des Künstlers sah eine aus Bronze gegossene Figur auf einem Sockel aus belgischem Marmor vor, der wiederum auf einem Unterbau aus Tuff ruhen sollte. Die Gesamthöhe war mit 2,61 Meter angegeben.

Matthias Neuner jun. und der Mittenwalder Geigenmacherverein wiesen jedoch auch diesen Entwurf zurück:
"Die Bedeutung dieser symbolischen Figur werden wohl die wenigsten Mittenwalder begreifen. Wir sollen den Mann selber vor unseren Augen haben, nicht in sitzender, sondern aufrechtstehender Gestalt, wie er in seiner Rechten eine Geige entgegenhält, gleichsam als Instrument und Vermächtniß für die ganze Nachkommenschaft, für die ganze Gemeinde, und wie er seine Linke etwa auf eine Guitarre oder ein Cello stützt.
Nicht ein Symbol, den Mann selber wollen wir vor unseren Augen haben, wenn auch in idealisirter Form/Gestalt und in der malerischen Tracht seiner Zeit.
Nehmen wir eine männliche Figur aus der dermalen in Besitz der Seitz befindlichen Ansicht von Mittenwald v. J. 1695 (circa), die der hiesige Maler Löffler, ein Freund von Klotz Sen. gestellt hat."


Das Monument Ferdinand von Millers

Die Diskussion nahm noch mehrere Jahre in Anspruch, ehe am 28. März 1889 ein Vertrag mit dem Münchner Bildhauer und Erzgießer Ferdinand II. von Miller (1842-1929), dem Sohn des gleichnamigen Schöpfers der kolossalen Münchner Bavaria, geschlossen werden konnte, in dem die Modalitäten des letztlich zur Ausführung gekommenen Matthias-Klotz-Denkmals geregelt wurden.
Die meisten Gestaltungsvorschläge des 1884 gestorbenen Archivrats Baader wurden von Miller darin berücksichtigt. Am 26. Oktober 1890 wurde das Matthias-Klotz-Denkmal vor der Mittenwalder Pfarrkirche St. Peter und Paul feierlich eingeweiht.




Programmzettel zur Enthüllungsfeier des Matthias-Klotz-Denkmals, 1890
Marktarchiv Mittenwald, A III 17/2



Bedrohung des Denkmals 1917

Im Zuge der Rohstoffsammlung zugunsten der Rüstungsproduktion des Ersten Weltkriegs sollte das Matthias-Klotz-Denkmal 1917 eingeschmolzen werden. Mit Bittbriefen vom 26. bzw. 27. Juli 1917 an das Bezirksamt Garmisch bzw. an Miller konnte der Mittenwalder Gemeinderat diese Gefahr jedoch abwenden.


Matthias-Klotz-Gedenktafel 2003

Anlässlich des Jubiläums zum 350. Geburtstags von Matthias Klotz wurde am 6. Juli 2003 eine weitere Gedenktafel für den Patron des Mittenwalder Geigenbaus feierlich eingeweiht. Die vom Mittenwalder Museumsverein gestiftete Marmortafel wurde von Stephan Pfeffer und Rainer Leonhardt entworfen und von dem Steinmetz Jürgen Seefried in Rosa Tambur ausgeführt. Sie ist an der Außenfassade der Mittenwalder St.-Nikolaus-Kapelle angebracht und errinnert an das nicht erhaltene Grab von Matthias Klotz auf dem dortigen Friedhof.





Die 2003 gestiftete Gedenktafel für Matthias Klotz an der Mittenwalder St.-Nikolaus-Kapelle



Quelle:
Marktarchiv Mittenwald, A 17/1 und A 17/2


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