Die Mittenwalder Geigenmacher-Familie Klotz
Bedeutung für den Mittenwalder Geigenbau
Matthias Klotz (16531743) war der Stammvater der bedeutendsten Geigenmacher-Familie in Mittenwald und der Initiator des Instrumentenbaues in Mittenwald.
In seiner ab etwa 1685 bestehenden Werkstatt wurden nicht nur seine Söhne Georg I. (16871737), Sebastian I. (16961775) und Johann Carol (17091769) ausgebildet, sondern auch eine Reihe weiterer Schüler, darunter vermutlich sein jüngerer Bruder Johann (geb. 1664, der 1709 als Mittenwalder Lautenmacher belegt ist), sein Stiefsohn Michael Schändl (16981749) sowie die Mittenwalder Martin Bader (fl. 17301736), Johannes Dänzl (Tentzel, 16921728), Martin Dieffenbrunner (Tiefenbrunner, 1687nach 1720), Andreas Jais (16851753) und Nikolaus Wörnle (Wörle, 1695nach 1720). Sie alle begründeten eigene Geigenmacher-Familien.
Das Klotz-Modell
Unter den Söhnen und Schülern des Matthias Klotz entwickelte vor allem Sebastian I. Klotz (16961775) ein charakteristisches Klotz-Modell, das zwischen den Vorbildern Amatis und Stainers steht und auf handwerklich höchstem Niveau den Mittenwalder Geigenbau des 18. und frühen 19. Jahrhunderts vorbildhaft prägte.

Musizierende Putten mit Laute und Geige
Ausschnitt aus dem Deckenfresko des Langhauses
in der Mittenwalder Pfarrkirche St. Peter und Paul, 1740
von Matthäus Günther (1705-1788)
Die älteste bildliche Darstellung einer Mittenwalder Laute und einer Mittenwalder Geige
geht auf Matthäus Günther, einen der bedeutendsten süddeutschen Rokokomaler, zurück.
Sie ist auch als Würdigung des Lebenswerks von Matthias Klotz zu verstehen,
der 1740 im hohen Alter und in ebenso hohem Ansehen stand.
Stammbaum
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Georg II. Karl Klotz
1723-1797 |
Ægidius Klotz
1733-1805
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Joseph I. Thomas Klotz 1743- nach 1811
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Die Klotz-Familie gehört auch zahlenmäßig zu den großen Geigenmacher-Familien in Mittenwald: In acht Generationen gingen daraus bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert mehr als 25 Instrumentenbauer hervor. (Die Weiterführung und Vervollständigung dieses Stammbaums ist in Vorbereitung.)
Zettel
Das älteste Instrument von Matthias Klotz mit einem authentischen gedruckten Zettel stammt aus dem Jahr 1712, also aus einer sehr späten Schaffensphase. Matthias Klotz verwendete bis etwa 1727 gedruckte Zettel.
In den nachfolgenden Jahren bis 1750 benutzten seine Söhne auffallenderweise nur handschriftliche Zettel, ehe sie die für Mittenwald charakteristischen Druckzettel (Handsatz-Drucke, meist mit Zierrand) in Gebrauch nahmen.
Dass die Familie Klotz ihre Instrumente mit eigenen Zetteln und eigenem Namen signierte, weist darauf hin, dass die Marke Klotz auf dem Instrumentenmarkt des 18. Jahrhunderts bekannt und geschätzt war. Auch darin ragte die Familie Klotz aus der Vielzahl der Mittenwalder Geigenmacher dieser Zeit heraus.
Um 1800 geben handschriftliche Zettel der Klotz-Familie bisweilen Rätsel auf.

Mittenwalder Votivtafel
Öl auf Holz, Mittenwald 18. Jahrhundert, Kath. Pfarrkirchenstiftung St. Peter und Paul, Mittenwald
Das Votivbild gibt den Zustand des Ortes im frühen 18. Jahrhundert wieder,
ehe von 1737 bis 1749 die jetzige Pfarrkirche St. Peter und Paul errichtet wurde.
Rechts oben ist der Obermarkt erkennbar, links oben der Untermarkt und die St. Nikolaus-Kapelle,
direkt darunter die damalige Juden- oder heutige Ballenhausgassen.
Im Vordergrund ist das Gries zu sehen.
Namensschreibweisen
Der Familienname Klotz ist auf Geigenzetteln und in Archivalien in verschiedenen Varianten überliefert; dies gilt sowohl für Schriftstücke der Familienmitglieder selbst als auch für Dokumente Dritter.
Um 1700 treten die Schreibweisen Khlotz, Khloz und Cloz auf, im Verlauf des 18. Jahrhunderts ist die Variante Kloz üblich. Erst ab dem frühen 19. Jahrhundert bürgert sich die heutige Schreibweise Klotz ein.
Aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit sind Vor- und Nachnamen auf diesen Seiten standardisiert und aus Gründen der historischen Korrektheit mit einem Geigenzettel oder dessen Abschrift in der originalen Variante dokumentiert.

Matthias-Klotz-Denkmal vor der Mittenwalder Pfarrkirche St. Peter und Paul
Ferdinand von Miller (1842-1929)
Bronzeguss, München 1890
Nachwirkung
Im 18. Jahrhundert galten wie bereits erwähnt die Werkstatt, die Arbeitstechniken und Modelle der Familie Klotz als Vorbilder für den gesamten handwerklichen Geigenbau in Mittenwald. Dies veränderte sich jedoch mit der zunehmenden Industrialisierung im Verlauf des 19. Jahrhunderts.
Im romantischen Historismus wurde vor allem die Person des Matthias Klotz mythisch verklärt und in der Konkurrenz mit der sächsischen und böhmischen Instrumentenproduktion einseitig zum Werbeträger der Verlegerfirmen in Mittenwald erhoben
Einsetzend mit den Monographien von Walter Senn (1958) und Adolf Layer (1959) bemüht sich die jüngere orts- und musikhistorische Forschung um eine nachvollziehbare Bewertung des Wirkens der Familie Klotz.

Gedenktafel für Matthias Klotz an der Fassade eines Mittenwalder Hauses
Lüftlmalerei von Rudolf Winkler, 1970
Fotografie von Hans Reuter
Geigenbaumuseum Mittenwald
Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Bekanntheit des Matthias Klotz auch für die Werbung der Mittenwalder Geigenverleger und des aufkeimenden Tourismus eingesetzt. Basierend auf dem damals sehr lückenhaften Forschungsstand entstanden dabei auch romantische Mythen, die einer historischen Überprüfung heute nicht mehr standhalten können.
Die herausragende Bedeutung und die außergewöhnliche Popularität des Matthias Klotz werden auch darin erkennbar, dass der Mittenwalder Geigenmacher zum Helden mehrerer trivialer Romane (z. B. von Ludwig Ganghofer oder Otto Schaching) wurde eine Würdigung, die sonst nur wenigen Meistern wie Stradivari, Guarneri oder Stainer widerfuhr.

Briefmarke der Deutschen Bundespost
Bonn 1993
Die 1993 zum 250. Todestag von Matthias Klotz herausgegebene 80-Pfennig-Sondermarke der Deutschen Bundespost zeigt die Bedeutung des großen Mittenwalder Sohnes, der den Namen seines Ortes bis in die Gegenwart in alle Welt hinausträgt.
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