Matthias Klotz (1653-1743)

Matthias Klotz (Mathias, Khlotz, Khloz, Cloz) wurde am 11. Juni 1653 in der Mittenwalder Pfarrkirche St. Peter und Paul getauft; er war das zweite Kind des Schneiders Urban Klotz (Vrbanus Cloz, 1627-1691) und seiner Ehefrau Sophia (gest. 1681).

Er starb am 16. August 1743 im Alter von über 90 Jahren und hoch angesehen – in Mittenwalder Urkunden wiederholt als welt beriemter Lauten= und Geigenmacher bezeichnet – ebenfalls in Mittenwald, wo er am Friedhof von St. Nikolaus beigesetzt wurde.


Ausbildung

Werkstatt, Lehrer und Ort der Ausbildung von Matthias Klotz (um 1665) sind unbekannt. Stilistische und handwerkliche Details seiner Instrumente deuten allerdings auf seine Lehre in einer Werkstatt der Füssener Schule hin. Diese Einschätzung wird auch von der auf Zetteln und in Urkunden im Zusammenhang mit Matthias Klotz vielfach genannte Berufsbezeichnung des Lautenmachers gestützt, die in der Füssener Lautenmacher-Zunft üblich war.

Von 1672 bis 1678 ist sein Aufenthalt als Geselle in der Paduaner Bottega di Lautaro al Santo des Allgäuer Lautenmachers Pietro Railich belegt, von dem mehrere Lauten erhalten sind.

Der weitere Lebensweg von Matthias Klotz bis zu seiner Selbständigkeit in Mittenwald ist unbekannt. Aufgrund der lückenhaften archivalischen Überlieferung, deren Verluste bei der Plünderung Mittenwalds im Spanischen Erbfolgekrieg 1703 entstanden, sind der Forschung hier Grenzen gesetzt.





Gesellenzeugnis für Matthias Klotz aus der Werkstatt Railich in Padua
Padua 1702
Mittenwald, Geigenbaumuseum
Klotz verbrachte von 1672 bis 1678 sechs Gesellenjahre in der Werkstatt des
nach Padua ausgewanderten Füssener Lautenmachers Pietro Railich. Dafür
erhielt er ein Arbeitszeugnis, das aus unbekannten Umständen erst 1702 von
Railichs Sohn und Nachfolger Giovanni unterzeichnet sowie von einem Notar
beglaubigt wurde.



Familie und Selbständigkeit

Um den Jahreswechsel 1685/1686 heiratete Matthias Klotz in Mittenwald die Weberstochter Maria Seiz. Am 4. Februar 1686 übereignete sein Schwiegervater Michael Seiz ihm ein Haus im Ortsteil Gries.

Für Klotz, der dabei erstmals als Bürger und Lautenmacher bezeichnet wurde, waren damit alle zeitüblichen Voraussetzungen eines Gewerbes erfüllt: Das Bürgerrecht (das der am Ort gebürtige ohnehin besaß), Heirat und Hauserwerb. Mittenwald bot ihm weitere günstige Voraussetzungen: gute Absatzmöglichkeiten im Handel nach Süden und Norden, reiche Rohstoffvorkommen (Hölzer, vor allem Ahorn und Fichte) sowie fehlende Konkurrenz.

In den folgenden Jahrzehnten erwarb und veräußerte Matthias Klotz eine Reihe weiterer Häuser, Gärten und Felder. Seine Werkstatt verlegte er in Mittenwald dabei mehrfach: vom Gries über den Oberen Markt in die Herrengasse.

Aus der Ehe mit Maria Seiz (gest. 28. Dez. 1704) gingen sechs Kinder hervor, darunter die späteren Geigenmacher Georg I. und Sebastian I.

Am 9. Juli 1705 verheiratete sich Matthias Klotz ein zweites Mal mit Ursula Schändl (gest. 6. April 1735), geb. Schlaucher, der Witwe des Metzgers Matthias Schändl. Sie brachte drei Kinder mit in die Ehe, darunter den späteren Geigenmacher Michael Schändl. Aus ihrer Verbindung mit Matthias Klotz gingen drei weitere Kinder hervor, darunter der spätere Geigenmacher Johann Carol.


Schüler und Nachfolger

In der Werkstatt von Matthias Klotz nahm der Mittenwalder Geigenbau seinen Ausgang. Mehrere Mittenwalder sind als seine Schüler anzusehen (in der wahrscheinlichen Reihenfolge ihrer Lehre):

vermutlich sein jüngerer Bruder Johann Klotz (1664–nach 1709)
Andreas Jais (1685–1753)
sein Sohn Georg I. Klotz (1687–1737)
Martin Dieffenbrunner (Tiefenbrunner, 1687–nach 1720),
Johannes Dänzl (Tentzel, 1692–1728)
Nikolaus Wörnle (Wörle, 1695–nach 1720)
sein Sohn Sebastian I. Klotz (1696–1775)
sein Stiefsohn Michael Schändl (1698–1749)
sein Sohn Johann Carol Klotz (1709–1769)
Martin Bader (fl. 1730–1736)
sowie Johannes Jais (1715-1765), der Sohn des Andreas Jais.

In der Werkstatt des Matthias Klotz arbeiteten vermutlich nicht nur Lehrlinge, sondern lange Zeit auch seine Söhne und möglicherweise weitere Gesellen. Der älteste Sohn Georg verblieb dort bis zum Erwerb seiner Selbständigkeit 1715. Der zweite Sohn Sebastian verheiratete sich 1724 und machte sich zu diesem Zeitpunkt selbständig, jedoch bewohnte er fortan eine Hälfte des väterlichen Hauses (das die Eltern ihm 1728 formell verkauften), so dass er zumindest in räumlicher Nähe zur väterlichen Werkstatt arbeitete. Der jüngste Sohn, der als Instrumentenbauer tätig war, Johann Carol verblieb bis zu seiner Heirat 1735 in der Werkstatt des Matthias Klotz.

Am 21. Juli 1736 beantragte dieser – im Alter von 83 Jahren – die Teilung und Übergabe seines Hauses an die beiden Söhne Sebastian und Johann Carol, die damit als seine Nachfolger gelten können.


Werkliste

Die ältesten Instrumente, die Matthias Klotz sicher zugeschrieben werden können, sind mit 1712 datiert; sie stammen also aus seinem 59. Lebensjahr! Insgesamt sind nur wenige authentische Geigen und Gamben erhalten sowie eine größere Anzahl weiterer Instrumente, deren Echtheit erst einer vergleichenden Analyse und Bestätigung bedarf.

Viola 1712, Privatbesitz
Violine 1714, Geigenbauschule Mittenwald
Bass-Viola da Gamba 1715, Privatbesitz
Violine 1725, Privatbesitz
Violine 1727, Privatbesitz

Eine ausführliche Übersicht der von Matthias Klotz gebauten und der ihm zugeschriebenen Instrumente befindet sich bei Layer 1959 (S. 20ff).

Die auffälligerweise fehlende Überlieferung von Instrumenten des Matthias Klotz aus den Jahren vor 1712 gibt Anlass zu zwei Hypothesen:

  • Hypothese 1: Matthias Klotz baute in diesen frühen Jahren nur relativ wenige Instrumente, weil er vorrangig anderen ortsüblichen und zeittypischen Beschäftigungen und Erwerbsarten nachging: der Landwirtschaft, dem Handel, dem Immobilienhandel oder dem Spielmannsberuf. – Das handwerklich hohe Niveau seiner späteren Instrumente oder die große Zahl von Lehrlingen in der Werkstatt stellen diese Hypothese jedoch in Frage.

  • Hypothese 2: Die frühen Instrumente von Matthias Klotz sind nicht identifizierbar. Sie waren unsigniert, weil der Hersteller für den Kunden dieser Zeit noch nicht maßgeblich war und Streichinstrumente noch nicht das später hohe Ansehen genossen. Seine Instrumente wurden in den vergangenen Jahrhunderten mit falschen, wohl italienischen Zetteln versehen, oder sie sind nach Reparaturen und Veränderungen nicht mehr zuzuordnen. Seine Instrumente sind als Werkstattarbeiten so uneinheitlich, dass eine vergleichende Zuschreibung kaum möglich ist.


Signaturen

Von Matthias Klotz sind zwei authentische gedruckte Geigenzettel bekannt:

Zettel 1:





Mathias Khlotz,
Lautenmacher in Mittenwaldt, Anno 17


Handsatz-Druck in deutschen Fraktur-Lettern, linksbündig, ohne Zierrand,
bekannt mit den Datierungen 1712–1715


Zettel 2:





Mathias Kloz, Lautenmacher
in Mittenvvaldt, Anno 17


Handsatz-Druck in barocken italienischen Antiqua-Lettern, Lautenmacher (Zwiebelfisch) in deutschen Fraktur-Lettern, linksbündig, ohne oder mit einfachem Rand, bekannt mit den Datierungen 1725–1727.



Literatur

Baader 2/1936, 142ff. Beare 1980. Cervelli 1968, 316f. Focht/Loebner/Zunterer 1997, 76-78. Klinner 1983. Klinner 1994. Layer 1959. Lütgendorff 6/1922. Lütgendorff/Drescher 1990. Senn 1958.

Die Monographie Adolf Layers (1959) enthält eine ausführliche Biographie, eine Werkliste und ein Verzeichnis der archivalischen Quellen.


Archivalische Quellen

Mittenwald, Marktarchiv
Mittenwald, Pfarrarchiv St. Peter und Paul
München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv





Lüftlmalerei an der Fassade eines Mittenwalder Hauses
Gerd Ester (1970)
Die Vorstellung vom Aussehen des Matthias Klotz ist seit über hundert Jahren
von dem Matthias-Klotz-Denkmal bestimmt, das Ferdinand von Miller 1890 in Mittenwald errichtete.


Zum Seitenanfang

Zurück