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Sebastian I. Klotz (1696-1775)
Sebastian Klotz (Khloz, Kloz) wurde am 18. Januar 1696 in Mittenwald geboren. Er war der zweite Sohn des Matthias Klotz und seiner ersten Ehefrau Maria, geb. Seiz. Er starb am 20. Januar 1775 in Mittenwald.
Ausbildung, Familie und Selbständigkeit
Sebastian Klotz erlernte den Lauten- und Geigenbau vermutlich um 1710 bei seinem Vater. Am 15. Mai 1724 heiratete er in Mittenwald Maria Rosina Mayr (um 170417. Juni 1770) aus Rovereto. Es liegt daher nahe, dass Sebastian Klotz sich zuvor in Tirol oder Italien aufgehalten hatte. Sie bewohnten in Mittenwald eine Hälfte seines Elternhauses in der Herrengasse, das sie am 25. Oktober 1728 kauften. Der Ehe entsprangen elf Kinder, darunter die späteren Geigenmacher Georg II. Karl, Aegidius Sebastian und Joseph I. Thomas.
Einordnung und Bewertung
Sebastian Klotz kann als vorbildhafte Persönlichkeit und prägender Lehrmeister der Mittenwalder Schule angesehen werden. Er schuf ein eigenes Modell zwischen Amati und Stainer: mit mittelhoher Wölbung, breiter Wölbungshohlkehle, flacher Randhohlkehle und plastischer Randarbeit. Die f-Löcher wirken rund und haben große Kugeln. Der Wirbelkasten erhält einen eleganten Schwung, die Schnecke wirkt durch ihr bis über die Ohren hinaufgezogenes, weit offenes Maul großzügig.
Unter- und Oberzargen gehen an einem Stück durch, sind in der Mitte aber angeritzt oder eingekerbt. Häufig sind sie nach der Schwarte geschnitten. Bei der Innenarbeit sind die Fichtenklötze aus den Ecken weit an den Zargen entlang geführt; die Fichtenreifchen sind spitz darin eingelassen.
Der charakteristische Lack ist dünn und farbintensiv braun.
Die Instrumente von Sebastian Klotz lassen in ihrer handwerklichen Perfektion und ihrer bautechnischen Vollendung einen fleißigen, routinierten Hersteller erkennen, der bis nach 1800 als Vorbild für den gesamten Mittenwalder Geigenbau spürbar ist. Trotzdem sind nicht allzu viele Instrumente mit seinem eigenen Zettel überliefert, einige jedoch mit Mittenwalder Stainer- oder Amati-Zetteln.
Ab etwa 17601765 setzte ein langsamer Niedergang in seinem Schaffen ein. Die Geigen dieser Zeit sind als Werkstatt-Instrumente einzuordnen, die noch immer ein hohes handwerkliches Niveau besitzen, jedoch teilweise kleine Einschränkungen zulassen müssen: etwa eine weniger elegante Randarbeit, eine zu nahe am Rand liegende Wölbungshohlkehle, im Schaft zu schmale oder in den Kugeln zu kleine f-Löcher oder die fehlenden Nägel durch den Boden in den Ober- und Unterklotz.
Bei den Maßen der Geigen von Sebastian Klotz sind beachtliche Unterschiede festzustellen: Die Korpuslänge schwankt (über die Wölbung gemessen) zwischen 35,5 und 35,9 cm, die Zargenhöhe zwischen 3,1 und 3,2 cm, die Deckenmensur zwischen 18,6 und 19,8 cm. Bezeichnenderweise gingen auch diese großen Schwankungsbreiten auf den Mittenwalder Geigenbau über.
Schüler
Sebastian Klotz bildete neben seinen eigenen Söhnen vermutlich mehrere Mittenwalder und auswärtige Schüler aus. Davon sind nur wenige namentlich bekannt (in der chronologischen Reihenfolge ihrer Lehre):
der Sohn Georg II. Karl Klotz (um 17231797)
Anton Gäßler (Lehre ca. 17361742)
Andreas Gäßler (Lehre ca. 17361742)
Johann Augustin Gäßler (begann 1736 die Lehre beim Bruder Georg I. Klotz; nach dessen Tod 1737 beendete er sie 1742 bei Sebastian Klotz)
der Sohn Aegidius Klotz (17331805) der Sohn Joseph I. Thomas Klotz (1743nach 1811)
Johann Georg Psenner (17661767 Geselle, nach der Lehre beim Sohn Georg II. Klotz ca. 17611766)
Instrumente
Mehrere Instrumente sind bei Hamma (1986) und Lütgendorff/Drescher (1990) aufgeführt.
Signaturen
Sebastian Klotz verwendete neben gedruckten Mittenwalder Amati- und Stainer-Zetteln zwei gedruckte Geigenzettel mit eigenem Namen:
Zettel 1:
Sebastian Kloz , in
Mittenvvald, An. 17
Handsatz-Druck in italienischen kursiven Antiqua-Lettern, 1. Zeile rechtsbündig, 2. Zeile linksbündig, mit Zierrand, im kleinen Format, bekannt mit Datierungen um 1750um 1765
Zettel 2:
Sebastian Kloz , in
Mittenwald, An. 17
Handsatz-Druck in kursiven Antiqua-Lettern, 1. Zeile rechtsbündig, 2. Zeile linksbündig, mit Zierrand, im großen Format, bekannt mit Datierungen ab 1760
Literatur
Baader 2/1936, 143. Beare 1980. Focht/Loebner/Zunterer 1997, 8083. Hamma 1986, 451458. Klinner 1983. Layer 1959. Lütgendorff 6/1922. Lütgendorff/Drescher 1990. Ostler 1994, 124. Senn 1958.
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